Wie wird eine Nahrungsergänzungsmittel-Formel aufgebaut? Zutaten, Dosierungen und Zweck erklärt

Eine Nahrungsergänzungsmittel-Formel ist mehr als eine Liste von Zutaten, die gemeinsam in dieselbe Kapsel, denselben Messlöffel oder dasselbe Gummy gelangen.

Bevor ein fertiges Produkt ein Etikett erhält, wurden bereits zahlreiche Entscheidungen getroffen.

Was soll das Produkt sein?

Welche Zutaten gehören hinein?

Welche Formen oder Quellen sollen verwendet werden?

Wie viel soll die empfohlene tägliche Verzehrsmenge liefern?

Passen die Inhaltsstoffe sinnvoll zusammen?

Kann die Formel in der gewählten Darreichungsform tatsächlich hergestellt werden?

Sind Zutaten, Mengen und Claims für die Märkte geeignet, in denen das Produkt verkauft werden soll?

Und lässt sich die endgültige Zusammensetzung so klar dokumentieren, dass Formel, Spezifikationen, Etikett und Qualitätsinformationen dasselbe Produkt beschreiben?

Diese Fragen sind wichtig, denn eine längere Zutatenliste bedeutet nicht automatisch eine stärkere Formel.

Ein sinnvoller Grundsatz ist einfacher:

Jede Zutat sollte einen Grund haben, enthalten zu sein — und dieser Grund sollte erklärbar sein.

Eine Formel beginnt mit einem Zweck, nicht mit einer Zutatenliste

Es ist leicht, die Formulierung rückwärts anzugehen.

Man beginnt mit einigen beliebten Zutaten.

Kombiniert sie.

Findet einen Produktnamen.

Und entscheidet anschließend, wofür das Produkt eigentlich gedacht sein soll.

Ein strukturierterer Prozess beginnt am anderen Ende.

Welche Rolle soll das Produkt haben?

Das bedeutet nicht, sofort ein Gesundheitsversprechen zu formulieren.

Es bedeutet, zunächst das Produktkonzept zu definieren und erst dann festzulegen, was enthalten sein soll.

Zum Beispiel:

Ist es ein Pulver, das auf einer definierten Kombination von Nährstoffen und anderen Stoffen innerhalb einer empfohlenen Tagesportion basiert?

Ist es ein relativ einfaches Mineralstoffsupplement?

Ist es eine kollagenbasierte Formel mit gezielt ausgewählten unterstützenden Zutaten?

Ist es ein Kapselprodukt, dessen Menge praktisch in Kapseln bereitgestellt werden kann?

Die Antwort setzt Grenzen.

Ohne diese Grenzen wird Formulierung schnell zum Sammeln von Zutaten statt zu gezielter Produktentwicklung.

Schritt 1: die Rolle des Produkts definieren

Eine klare Produktrolle hilft dabei, mehrere praktische Fragen zu beantworten.

Welche Darreichungsform ist vorgesehen?

Wie wird die empfohlene tägliche Verzehrsmenge voraussichtlich aussehen?

Wie viele Zutaten werden tatsächlich benötigt?

Welche Zutaten bilden den Kern der Formel?

Welche Ergänzungen würden hauptsächlich die Zutatenliste verlängern, ohne viel zusätzliche Funktion zu liefern?

Und wie viel Material kann realistisch über die gewählte Darreichungsform bereitgestellt werden?

Eine Formel für eine einzelne Kapsel hat andere Grenzen als ein Pulver, das in Wasser eingerührt wird.

Ein Gummy stellt wiederum andere Anforderungen.

Deshalb sollten Verwendungszweck, empfohlene tägliche Verzehrsmenge und Darreichungsform nicht als völlig getrennte Entscheidungen betrachtet werden, die erst am Ende getroffen werden.

Sie prägen die Formel von Anfang an mit.

Schritt 2: prüfen, ob eine Zutat überhaupt verwendet werden darf

Eine interessante Zutat ist nicht automatisch eine verwendbare Zutat.

Für Vitamine und Mineralstoffe enthält die Richtlinie 2002/46/EG harmonisierte Positivlisten. Nur die in Anhang I aufgeführten Vitamine und Mineralstoffe in den in Anhang II genannten Formen dürfen im Rahmen der Richtlinie zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden.

Das bedeutet nicht, dass für alle anderen Arten von Supplement-Inhaltsstoffen eine gleichwertige harmonisierte Positivliste existiert.

Die Richtlinie erkennt selbst an, dass Nahrungsergänzungsmittel auch andere Stoffe mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung enthalten können und dass nationale Vorschriften relevant bleiben können, wenn keine spezifischen EU-Regeln bestehen.

Je nach Zutat können deshalb weitere Fragen entstehen.

Eine davon betrifft den Novel-Food-Status.

Der Novel Food Status Catalogue der Europäischen Kommission kann bei einer ersten Einschätzung helfen, ist jedoch ausdrücklich nicht bindend und nicht vollständig.

Daneben existiert die Unionsliste zugelassener neuartiger Lebensmittel, in der unter anderem zugelassene Novel Foods, Verwendungsbedingungen, Kennzeichnungsvorgaben und Spezifikationen aufgeführt sind.

Ist der Status einer Zutat unklar, kann eine weitergehende regulatorische Prüfung notwendig sein.

Deshalb lautet die grundlegende Frage nicht zuerst:

Würde diese Zutat in der Formel gut aussehen?

Sondern:

Darf diese Zutat in diesem Produkt, in diesem Markt und unter den vorgesehenen Verwendungsbedingungen rechtmäßig eingesetzt werden?

Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Produktentwicklung und dem bloßen Auswählen von Zutaten aus einem Lieferantenkatalog.

„Aktiver Inhaltsstoff“ ist nur eine mögliche Betrachtungsweise

Der Begriff aktiver Inhaltsstoff wird in der Nahrungsergänzungsmittelbranche häufig als praktische Bezeichnung verwendet.

Er sollte jedoch nicht so verstanden werden, als gehöre jede Zutat eines Nahrungsergänzungsmittels zu einer einheitlichen rechtlichen Kategorie namens „aktive Inhaltsstoffe“.

Die Richtlinie 2002/46/EG spricht unter anderem von Nährstoffen — dort Vitaminen und Mineralstoffen — sowie von anderen Stoffen mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung.

Eine fertige Rezeptur kann zusätzlich Zutaten enthalten, die technologische oder physische Funktionen erfüllen.

Je nach Produkt können diese zum Beispiel beitragen zu:

  • Geschmack;
  • Süße;
  • Säure;
  • Farbe;
  • Fließverhalten;
  • Textur;
  • Kapselstruktur;
  • oder Verarbeitbarkeit.

Eine Formel sollte deshalb nicht zu stark vereinfacht werden in:

aktiv = wichtig

und:

alles andere = unnötiger Füllstoff.

Die sinnvollere Frage lautet:

Welche Funktion erfüllt jede Zutat im fertigen Produkt?

Schritt 3: die Form oder Quelle des Inhaltsstoffs auswählen

Mit der Entscheidung für einen Nährstoff ist die Auswahl der tatsächlichen Zutat nicht immer abgeschlossen.

Nehmen wir Magnesium.

Eine Formel kann Magnesiumbisglycinat, Magnesiumcitrat oder eine andere zulässige Magnesiumquelle enthalten.

Diese Zutaten beziehen sich auf denselben Mineralstoff, sind aber unterschiedliche Verbindungen.

Die gewählte Form kann praktische Formulierungseigenschaften beeinflussen, zum Beispiel:

  • die benötigte Rohstoffmenge;
  • den Magnesiumanteil, den dieser Rohstoff liefert;
  • Löslichkeit;
  • Geschmack;
  • Produktvolumen;
  • Verhalten während der Herstellung;
  • und verfügbare Dokumentation zum Rohstoff.

Der Name einer Form sollte jedoch nicht automatisch in eine Überlegenheitsbehauptung übersetzt werden.

Eine teurere Zutat ist nicht automatisch eine bessere Zutat.

Eine chelatierte Form ist nicht automatisch in jeder Hinsicht überlegen.

Und eine populäre Inhaltsstoffform ändert nichts daran, dass die Menge betrachtet werden muss, die die empfohlene tägliche Verzehrsmenge tatsächlich liefert.

Für Magnesium erklären wir diese Unterschiede ausführlicher in Was ist elementares Magnesium? und Magnesiumbisglycinat oder Magnesiumcitrat: Was ist der Unterschied?

Schritt 4: die Menge festlegen

Ein Zutatenname ohne Mengenangabe sagt erstaunlich wenig über eine Formel aus.

Ein Produkt kann einen Inhaltsstoff enthalten.

Aber wie viel liefert es?

Und worauf bezieht sich diese Menge?

Eine Kapsel?

Ein Messlöffel?

Ein Gummy?

Oder die vollständige empfohlene tägliche Verzehrsmenge?

Eine Formulierungsentscheidung muss deshalb über die Frage:

Soll diese Zutat enthalten sein?

hinausgehen.

Die nächste Frage lautet:

Wie viel soll die empfohlene tägliche Verzehrsmenge liefern?

Je nach Zutat und Produkt können dabei verschiedene Faktoren relevant sein:

  • verfügbare wissenschaftliche Evidenz;
  • geltende regulatorische Anforderungen;
  • Sicherheitsinformationen;
  • Bedingungen für relevante nährwert- oder gesundheitsbezogene Angaben;
  • der Rest der Formel;
  • die gewählte Darreichungsform;
  • und die praktische Portionsgröße.

Es gibt keine allgemeine Regel, nach der die größtmögliche Zahl automatisch die beste Formel ergibt.

Eine höhere Menge kann in manchen Fällen sinnvoll sein.

In einem anderen Produkt führt sie vielleicht hauptsächlich zu einer größeren Portion, mehr Kapseln oder einer schwierigeren Herstellung.

Auch Sicherheits- und Regulierungsaspekte können begrenzen, welche Menge angemessen oder zulässig ist.

Die Dosis muss deshalb immer im Kontext betrachtet werden.

NRV, Formulierungsdosis und obere Aufnahmemenge sind unterschiedliche Konzepte

Bei Vitaminen und Mineralstoffen hilft der Nutrient Reference Value, kurz NRV, dabei, eine deklarierte Menge in einen standardisierten Kennzeichnungskontext einzuordnen.

Der NRV ist jedoch nicht automatisch die Menge, auf die eine Nahrungsergänzungsmittel-Formel ausgerichtet werden sollte.

Diese Konzepte müssen getrennt betrachtet werden:

NRV

die für das Produkt gewählte Menge

Tolerable Upper Intake Level, sofern vorhanden

und:

andere Sicherheitsreferenzwerte, soweit relevant.

Ein UL der EFSA ist ein Risikobewertungswert: die maximale chronische tägliche Aufnahmemenge, bei der keine nachteiligen Auswirkungen erwartet werden.

Es handelt sich nicht um eine empfohlene Zufuhr und nicht um ein Formulierungsziel.

Für manche Nährstoffe reichen die verfügbaren Daten nicht aus, um einen UL abzuleiten.

In bestimmten Bewertungen verwendet EFSA stattdessen einen safe level of intake.

EFSA weist ausdrücklich darauf hin, dass ein solcher safe level nur eingeschränkt wie ein UL genutzt werden kann und dass eine Überschreitung nicht automatisch bedeutet, dass eine schädliche Wirkung auftritt.

Daher gilt:

NRV ≠ Formulierungsziel ≠ UL ≠ safe level of intake.

Die Rolle des NRV erklären wir ausführlicher in Wie liest man ein Nahrungsergänzungsmittel-Etikett? Zutaten, Tagesdosis und NRV erklärt.

Es gibt nicht einen einzigen universellen EU-Höchstwert für jedes Vitamin und jeden Mineralstoff in Nahrungsergänzungsmitteln

Die Richtlinie 2002/46/EG sieht grundsätzlich vor, Höchst- und Mindestmengen für Vitamine und Mineralstoffe festzulegen.

Ein vollständig harmonisierter EU-weiter Satz von Höchstmengen für alle betreffenden Nährstoffe wurde jedoch bislang nicht verabschiedet.

Das bedeutet nicht, dass Mengen unbegrenzt sind.

Nationale Vorschriften und Risikomanagement können weiterhin relevant sein.

Deshalb kann ein verantwortlicher Formulierungsprozess nicht mit einer allgemeinen Regel arbeiten wie:

„Bleibe unter dem EU-Höchstwert.“

Für eine bestimmte Zutat und einen bestimmten Zielmarkt kann eine spezifischere regulatorische Bewertung erforderlich sein.

Die Rohstoffmenge entspricht nicht immer der gegenüber dem Verbraucher deklarierten Menge

Dies ist einer der wichtigsten technischen Unterschiede innerhalb der Formulierung.

Nehmen wir einen Rohstoff, der einen Nährstoff oder einen anderen relevanten Stoff in einer definierten Konzentration enthält.

Die Menge dieses Rohstoffs, die in die Formel eingebracht wird, kann von der Menge des betreffenden Nährstoffs oder Stoffes abweichen, die später für den Verbraucher deklariert wird.

Zum Beispiel:

1.000 mg Rohstoff

bedeutet nicht automatisch:

1.000 mg deklarierter Nährstoff.

Das Verhältnis kann unter anderem abhängen von:

  • chemischer Form;
  • Assay;
  • Reinheit;
  • Konzentration;
  • Trägermaterial;
  • oder anderen Eigenschaften des Inhaltsstoffs.

Dasselbe Prinzip gilt für Mineralstoffverbindungen.

Das Gewicht von Magnesiumbisglycinat entspricht nicht der Magnesiummenge, die diese Verbindung liefert.

Deshalb sollte ein kontrolliertes Formulierungssystem unterscheiden zwischen:

Rohstoffeinsatzmenge

Identität und Spezifikation der Zutat

Assay oder Reinheit, wo relevant

Menge des Nährstoffs oder sonstigen relevanten Stoffes

und:

der für Verbraucher deklarierten Menge.

Im internen Produktsystem von Primal Wolf werden Rohstoffmengen, Assay-/Reinheitsangaben, Portionsbasis und festgelegte Verbraucherwerte bewusst als getrennte Kontrollpunkte behandelt. Das System warnt ausdrücklich davor, Rohstoffmengen mit Verbraucherdeklarationen zu verwechseln.

Schritt 5: entscheiden, ob die Zutaten wirklich zusammengehören

Ein Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren Inhaltsstoffen sollte mehr Logik haben als:

Diese Zutaten sind alle beliebt.

Inhaltsstoffe können sinnvoll kombiniert werden, weil sie unterschiedliche Rollen innerhalb desselben Produktkonzepts erfüllen.

Sie können zum gleichen praktischen Verwendungskontext passen.

Sie können es ermöglichen, mehrere relevante Komponenten über ein Produkt bereitzustellen.

Oder es kann spezifische Evidenz für die diskutierte Kombination geben.

Dass mehrere Inhaltsstoffe in derselben Kapsel oder demselben Messlöffel enthalten sind, schafft jedoch nicht automatisch einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen ihnen.

Eine sinnvollere Formulierungsfrage lautet:

Was trägt diese Zutat zu genau diesem Produkt bei?

und nicht:

Was können wir noch auf das Etikett setzen?

Entsteht durch die Kombination von Zutaten automatisch „Synergie“?

Nein.

Der Begriff Synergie wird im Supplementmarketing gerne verwendet, weil er suggerieren kann, dass mehrere Inhaltsstoffe gemeinsam mehr bewirken als einzeln.

Aber die bloße Kombination von Zutaten belegt einen solchen Effekt nicht.

Wenn ein kombinierter oder synergistischer physiologischer Effekt behauptet wird, müssen Evidenz und geltender Claims-Rahmen diese Aussage tragen.

In der EU dürfen nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben nicht falsch, mehrdeutig oder irreführend sein, und die jeweiligen Verwendungsbedingungen müssen erfüllt sein.

Es kann dennoch sehr gute Gründe geben, mehrere Zutaten zu kombinieren, ohne sie als synergistisch zu bezeichnen.

Sie können einfach komplementäre Rollen innerhalb desselben Produktkonzepts erfüllen.

Das kann vollkommen ausreichend sein.

Mehr Zutaten machen eine Formel nicht automatisch besser

Eine lange Zutatenliste kann beeindruckend wirken.

Aber jede zusätzliche Zutat bringt neue Fragen mit sich.

Warum ist sie enthalten?

Welche Form wird verwendet?

Wie viel ist enthalten?

Ist die Menge für das vorgesehene Produkt angemessen?

Darf die Zutat im Zielmarkt eingesetzt werden?

Beeinflusst sie die Portionsgröße?

Macht sie die Herstellung komplexer?

Entstehen zusätzliche Anforderungen bei Allergenen, Warnhinweisen oder Kennzeichnung?

Und kann die Marke ihre Rolle erklären, ohne über das hinauszugehen, was die Evidenz unterstützt?

Deshalb gilt:

Die Anzahl der Zutaten ist kein Qualitätsmaß für eine Formel.

Drei klar definierte Zutaten können ein kohärenteres Produkt ergeben als fünfzehn Zutaten, die hauptsächlich dazu dienen, die Vorderseite der Verpackung umfangreicher erscheinen zu lassen.

Schritt 6: die Darreichungsform auswählen

Formulierung existiert nicht nur auf einem Spreadsheet.

Die Formel muss zu einem physischen Produkt werden.

Und die Darreichungsform beeinflusst, was praktisch möglich ist.

Kapseln

Kapseln haben ein begrenztes Innenvolumen.

Eine Formel, die mehrere Gramm Material pro empfohlener Tagesportion benötigt, kann daher mehrere Kapseln erfordern oder in einer anderen Darreichungsform sinnvoller sein.

Pulver

Pulver können größere Materialmengen aufnehmen.

Dafür gewinnen Themen wie Geschmack, Süße, Säure, Mischverhalten, Volumen und Portionsgröße an Bedeutung.

Gummies

Ein Gummy ist nicht einfach eine Pulverformel in anderer Form.

Die physische Matrix erfordert ebenfalls Zutaten, die Struktur und Eigenschaften des fertigen Gummies erzeugen.

Die verfügbare Masse und das verfügbare Volumen müssen sich daher die Zutaten teilen, die das Nahrungsergänzungsmittel inhaltlich definieren.

Tabletten

Tabletten bringen unter anderem Anforderungen an Kompression, Fließverhalten und Verarbeitung mit sich.

Flüssigkeiten

Flüssige Formulierungen werfen Fragen zu Konzentration, Stabilität, Geschmack und — je nach Rezeptur — Konservierung auf.

Die Darreichungsform ist deshalb nicht nur eine Verpackungsentscheidung.

Die Darreichungsform ist Teil der Formulierung.

Warum enthält eine Formel Zutaten, die nicht als Hauptinhaltsstoffe hervorgehoben werden?

Weil ein Nahrungsergänzungsmittel auch als fertiges Lebensmittel funktionieren muss.

Ein Pulver kann Aroma benötigen.

Ein Gummy benötigt Zutaten, die seine Struktur erzeugen.

Eine Kapsel benötigt eine Kapselhülle.

Manche Pulver können zum Beispiel ein Trennmittel für eine technologische Funktion verwenden.

Andere Produkte können zugelassene Süßungsmittel, Farbstoffe, Säureregulatoren oder andere Zusatzstoffe einsetzen, wenn dies angemessen ist.

Im EU-Lebensmittelrecht bedeutet quantum satis nicht:

„Verwende so viel wie du möchtest.“

Es bedeutet, dass für die betreffende zulässige Verwendung kein numerischer Höchstwert festgelegt ist, der Zusatzstoff aber dennoch nach guter Herstellungspraxis, nicht in einer höheren als für den vorgesehenen technologischen Zweck notwendigen Menge und ohne Irreführung der Verbraucher eingesetzt werden muss.

Nur Zusatzstoffe, die in den anwendbaren Unionslisten enthalten sind, dürfen unter den festgelegten Bedingungen verwendet werden.

Die sinnvolle Frage lautet deshalb weder:

Enthält dieses Produkt Zusatzstoffe?

noch:

Sind technologische Zutaten unwichtig?

Sondern:

Welche Funktion erfüllt diese Zutat im fertigen Produkt und ist ihre Verwendung angemessen?

Schritt 7: Sicherheits- und Regulierungskontext prüfen

Die Auswahl und Menge eines Inhaltsstoffs können nicht von der Sicherheit getrennt werden.

Je nach Stoff und Produkt können unter anderem relevant sein:

  • ULs oder andere anwendbare wissenschaftliche Sicherheitsreferenzwerte;
  • Bedingungen oder Einschränkungen eines zugelassenen Inhaltsstoffs;
  • nationale Regeln;
  • die vorgesehene Verbrauchergruppe;
  • Aufnahme aus anderen Nahrungsquellen, soweit relevant;
  • erforderliche Warnhinweise;
  • Allergene;
  • und weitere inhaltsstoffspezifische Einschränkungen.

Ein UL bezieht sich, sofern vorhanden, im Allgemeinen auf die chronische Gesamtaufnahme aus Nahrungsquellen und ist nicht einfach eine zulässige Dosierung für ein einzelnes Nahrungsergänzungsmittel.

EFSA weist zudem darauf hin, dass ULs in manchen Fällen quellenbezogen sein können und nicht zwingend besonders vulnerable Gruppen vollständig abdecken.

Nicht jeder Inhaltsstoff verfügt über denselben Typ oder dieselbe Tiefe eines Sicherheitsrahmens.

Auch deshalb sollte eine einzelne Zahl nicht als universell ideale Dosis für jeden Menschen dargestellt werden.

Die Aufgabe der Formulierung besteht darin, ein geeignetes Produkt innerhalb des anwendbaren wissenschaftlichen, sicherheitsbezogenen und regulatorischen Rahmens zu entwickeln.

Schritt 8: sicherstellen, dass die Claims zur tatsächlichen Formel passen

Es ist nicht grundsätzlich problematisch, bereits während der Produktentwicklung über Kommunikation nachzudenken.

Eine Marke muss wissen, was sie später zutreffend über ein Produkt sagen kann.

Die Logik sollte jedoch nicht umgedreht werden.

Eine Formel sollte nicht hauptsächlich dafür entwickelt werden, möglichst viele Claims auf der Vorderseite zu sammeln.

Und die bloße Anwesenheit eines Inhaltsstoffs erlaubt nicht automatisch jede denkbare damit verbundene Aussage.

Nach Verordnung 1924/2006 müssen nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben die jeweils geltenden Verwendungsbedingungen erfüllen.

Dabei können unter anderem die Menge im fertigen Produkt und die vernünftigerweise zu erwartende Verzehrsmenge relevant sein.

Claims müssen zudem auf allgemein anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und entsprechend abgesichert sein.

Ein sinnvoller Grundsatz lautet daher:

Die Formel legt die Fakten fest. Die Claims müssen zu diesen Fakten passen.

Nicht umgekehrt.

Eine trendige Zutat ist nicht automatisch eine sinnvolle Zutat

Inhaltsstofftrends können sich schnell verändern.

Ein Stoff kann populär werden, weil:

  • er häufig in sozialen Medien erscheint;
  • Wettbewerber ihn verwenden;
  • ein Lieferant ihn aktiv bewirbt;
  • oder Verbraucher häufiger danach suchen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jede Formel von seiner Aufnahme profitiert.

Dieselben Fragen gelten weiterhin.

Passt er zum vorgesehenen Produkt?

Kann eine angemessene Menge eingesetzt werden?

Hat er eine klar definierbare Rolle?

Ist sein regulatorischer Status für die Zielmärkte geeignet?

Kann die notwendige Dokumentation beschafft werden?

Und lässt sich sein Zweck erklären, ohne über die Evidenz hinauszugehen?

Wenn diese Fragen keine klaren Antworten haben, kann die Zutat eher Komplexität als sinnvolle Formulierungslogik hinzufügen.

Schritt 9: die Formel in eine kontrollierte Spezifikation überführen

Eine Formel ist nicht fertig, sobald jemand eine Liste von Zutaten erstellt hat.

Der nächste Schritt ist Kontrolle.

Es müssen genügend Informationen vorhanden sein, damit Hersteller, Qualitätsprozess, Verpackungsprozess und spätere Verbraucherinformation sich auf dasselbe Endprodukt beziehen.

Je nach Produkt können die kontrollierten Informationen unter anderem umfassen:

  • vollständige Zusammensetzung;
  • Identität der Zutaten;
  • Quellen und Formen;
  • Rohstoffmengen;
  • Assay- oder Reinheitsinformationen, soweit relevant;
  • empfohlene tägliche Verzehrsmenge;
  • Mengen relevanter Nährstoffe oder anderer Stoffe;
  • Allergeninformationen;
  • Produktspezifikationen;
  • Lieferantendokumentation;
  • und Laborverifizierung, wenn darauf Bezug genommen wird.

Der interne Verpackungsprozess von Primal Wolf verlangt vor der Finalisierung unter anderem die vollständige Zutatenliste, Inhaltsstoffe pro Portion oder Tagesdosis, Supplement-/Nährwertinformationen, anwendbare NRV-Werte, Informationen zu Quelle/Form der Zutaten, soweit relevant, sowie Allergeninformationen.

Das verdeutlicht einen wichtigen Unterschied:

Eine Formel ist nicht nur eine Zutatenliste.

Sie ist ein kontrollierter Satz aus Identitäten, Mengen, Spezifikationen und unterstützenden Informationen.

Formulierungsblatt, COA und Laborbericht sind nicht austauschbar

Unterschiedliche Dokumente können unterschiedliche Teile einer Formulierung und eines Qualitätssystems unterstützen.

Ein Formulierungs- oder Zusammensetzungsdokument kann beschreiben, was ein Produkt enthalten soll.

Ein Lieferanten-COA kann Informationen zu einem bestimmten gelieferten Rohstoff oder einer Charge enthalten.

Ein Laborbericht kann gemessene Ergebnisse zu bestimmten Parametern einer untersuchten Probe liefern.

Ein Zertifizierungsdokument kann einen anderen klar definierten Umfang abdecken.

Diese Dokumente sollten deshalb danach interpretiert werden, was sie tatsächlich unterstützen.

Mehr dazu:

COA vs. Laborbericht vs. Zertifizierung: Was ist der Unterschied?

und:

Was bedeutet „unabhängig getestet“ bei einem Nahrungsergänzungsmittel?

Von der Formel zum Etikett

Sobald die Formulierung festgelegt ist, müssen die Informationen in verbraucherorientierte Kennzeichnung übersetzt werden.

Das bedeutet nicht, dass jede interne Zahl aus einem Formulierungsblatt direkt auf Beutel, Flasche oder Dose übernommen wird.

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten spezifische Kennzeichnungsvorschriften.

Die Richtlinie 2002/46/EG verlangt unter anderem, dass Mengen von Nährstoffen oder anderen Stoffen mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung numerisch deklariert und auf die empfohlene tägliche Verzehrsmenge bezogen werden.

Für Zutatenbezeichnungen, Allergene, Warnhinweise und Claims gelten zusätzlich die jeweils anwendbaren Vorschriften.

Daher ist folgende Unterscheidung hilfreich:

Die Formulierung definiert das Produkt.

Das Etikett kommuniziert das fertige Produkt innerhalb der geltenden Regeln an den Verbraucher.

Zur Verbraucherseite dieses Prozesses:

Wie liest man ein Nahrungsergänzungsmittel-Etikett? Zutaten, Tagesdosis und NRV erklärt.

Wie Primal Wolf an die Formulierung herangeht

Die interne Formulierungsphilosophie von Primal Wolf beginnt mit purpose-built formulas.

Der Grundgedanke ist, dass jedes Produkt einen klaren Grund für seine Existenz haben, einen definierten Platz innerhalb der umfassenderen Routine besitzen und eine erklärbare Inhaltsstoff- und Formulierungslogik haben sollte.

Dasselbe Brand DNA verbindet dies mit transparency over hype: erklären, was in der Formel enthalten ist, warum es enthalten ist und was tatsächlich belegt werden kann, ohne vage Überlegenheitsbehauptungen oder nicht nachweisbare Claims.

Das bedeutet nicht, dass jede Formel kompliziert sein muss.

Im Gegenteil.

Eine Zutat sollte ihren Platz nicht dadurch verdienen, dass sie die Liste länger macht.

Ihre Rolle sollte erklärbar sein.

Quelle oder Form sollten, soweit relevant, verstanden werden.

Die Menge sollte zum vorgesehenen Produkt passen.

Und Claims sollten innerhalb dessen bleiben, was Evidenz und regulatorischer Rahmen tragen.

Das interne Arbeitsprinzip fasst es einfach zusammen:

Jede Zutat sollte einen Grund haben, enthalten zu sein — und wir sollten diesen Grund erklären können.

Ein praktischer Formelcheck mit sechs Fragen

Du brauchst keinen vollständigen technischen Herstellerordner, um sinnvolle Fragen zu einer Supplement-Formel zu stellen.

Beginne mit sechs.

1. Was soll diese Formel eigentlich sein?

Gibt es ein klares Produktkonzept oder wirkt sie hauptsächlich wie eine Sammlung populärer Zutaten?

2. Welche Zutaten definieren die Formel wirklich?

Unterscheide Nährstoffe oder andere charakteristische Stoffe von Zutaten, die hauptsächlich technologische Funktionen erfüllen.

3. Welche Formen oder Quellen werden verwendet?

Wenn ein Nährstoff über verschiedene zulässige Quellen bereitgestellt werden kann, ist erkennbar, welche Quelle das Produkt verwendet?

4. Wie viel liefert die empfohlene tägliche Verzehrsmenge?

Beurteile die Formel nicht nur anhand der Namen der Zutaten.

Sieh dir die Mengen an.

5. Warum werden diese Zutaten kombiniert?

Gibt es eine nachvollziehbare Formulierungslogik oder wirkt die Zutatenliste hauptsächlich so, als solle sie möglichst umfangreich erscheinen?

6. Lassen sich Mengen, Claims und Qualitätsinformationen erklären und belegen?

Eine starke Qualitätsgeschichte sollte klarer werden, wenn man genauer hinsieht.

Nicht vager.

Eine gut aufgebaute Formel sollte leichter erklärbar werden

Komplexität ist nicht dasselbe wie Raffinesse.

Eine durchdachte Formel kann einfach sein.

Entscheidend ist, ob die Entscheidungen zusammenpassen.

Der Zweck.

Die Zutaten.

Die Formen.

Die Mengen.

Die Darreichungsform.

Die technologischen Anforderungen.

Der Sicherheits- und Regulierungskontext.

Die Dokumentation.

Und die Claims zum fertigen Produkt.

Wenn diese Teile zusammenpassen, lässt sich die Formel leichter verstehen.

Wenn sie es nicht tun, löst mehr Marketingsprache das Problem nur selten.

Verstehe den Zweck. Verstehe die Dosierung. Beurteile dann die Formel.

Quellen

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