Wie liest man ein Nahrungsergänzungsmittel-Etikett? Zutaten, Tagesdosis und NRV erklärt
Aktie
Ein Etikett für Nahrungsergänzungsmittel enthält verschiedene Arten von Informationen.
Den Produktnamen.
Die Zutatenliste.
Die empfohlene tägliche Verzehrsmenge.
Mengen von Vitaminen, Mineralstoffen oder anderen Stoffen.
Prozentangaben wie 29% NRV oder 200% NRV.
Warnhinweise.
Lagerungshinweise.
Ein Mindesthaltbarkeitsdatum.
Eine Chargen- oder Loskennzeichnung.
Und rund um all diese Angaben Marketing- und Qualitätsaussagen.
Der Fehler besteht darin, alle diese Elemente so zu lesen, als würden sie dasselbe bedeuten.
Das tun sie nicht.
Eine sinnvollere Art, ein Supplement-Etikett zu lesen, besteht darin, vier Fragen voneinander zu trennen:
Was ist das Produkt?
Was ist enthalten?
Wie viel soll täglich eingenommen werden?
Welche Aussagen beschreiben das Produkt selbst und welche sind Aussagen oder Claims über das Produkt?
Sobald diese Ebenen voneinander getrennt werden, wird das Etikett deutlich verständlicher.
Zuerst: Handelt es sich tatsächlich um ein Nahrungsergänzungsmittel?
In der EU sind Nahrungsergänzungsmittel eine eigenständig definierte Lebensmittelkategorie.
Die Richtlinie 2002/46/EG definiert sie als konzentrierte Quellen von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung, die in dosierter Form in Verkehr gebracht werden, beispielsweise als Kapseln, Tabletten, Pulverbeutel, abgemessene Flüssigkeiten oder vergleichbare Formen.
Die Richtlinie legt außerdem fest, dass Produkte in ihrem Anwendungsbereich als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet werden.
In anderen Sprachfassungen werden die jeweiligen nationalen Bezeichnungen verwendet, etwa food supplement auf Englisch und voedingssupplement auf Niederländisch.
Dieser Unterschied ist wichtig.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist nicht automatisch ein Arzneimittel, nur weil es in Kapseln, Tabletten, Gummies, Pulver oder abgemessenen Dosen angeboten wird.
Das Etikett muss innerhalb des Regelwerks für Nahrungsergänzungsmittel gelesen werden.
Ein Supplement-Etikett ist keine gewöhnliche Nährwerttabelle
Ein häufiger Fehler besteht darin, ein Supplement-Etikett wie die Nährwerttabelle eines gewöhnlichen Lebensmittels zu lesen.
Bei vielen Lebensmitteln sind Verbraucher Angaben zu Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz gewohnt.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln funktioniert die Deklaration anders.
Die normale verpflichtende Nährwertdeklaration der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 gilt nicht für Lebensmittel, die unter die Richtlinie 2002/46/EG fallen.
Für Nahrungsergänzungsmittel gelten eigene quantitative Deklarationsregeln.
Die Mengen der relevanten Nährstoffe oder sonstigen Stoffe mit ernährungsbezogener oder physiologischer Wirkung müssen numerisch angegeben werden. Diese Angaben beziehen sich auf die empfohlene tägliche Verzehrsmenge.
Vitamine und Mineralstoffe werden zusätzlich als Anteil der jeweils geltenden Referenzwerte ausgedrückt.
Ein Nahrungsergänzungsmittel lässt sich daher besser verstehen, wenn man fragt:
Was liefert die empfohlene tägliche Verzehrsmenge?
statt das Etikett wie eine gewöhnliche Nährwerttabelle pro 100 Gramm zu behandeln.
Finde die empfohlene tägliche Verzehrsmenge
Bevor du dich auf eine auffällige Mengenangabe konzentrierst, solltest du die empfohlene tägliche Verzehrsmenge bestimmen.
Sie ist der wichtigste Bezugspunkt für die quantitative Deklaration eines Nahrungsergänzungsmittels.
Eine Verpackung kann beispielsweise enthalten:
- eine Kapsel;
- eine Tablette;
- ein Gummy;
- einen Messlöffel;
- oder eine abgemessene Menge Pulver.
Aber eine einzelne physische Einheit ist nicht automatisch die vollständige Tagesportion.
Steht beispielsweise:
Täglich zwei Kapseln einnehmen.
dann ist eine Kapsel eine physische Einheit.
Zwei Kapseln bilden die angegebene tägliche Verzehrsmenge.
Dasselbe Prinzip kann für Gummies, Tabletten oder Pulver gelten.
Prüfe deshalb immer, worauf sich eine Mengenangabe bezieht.
Auf:
- eine Kapsel?
- einen Messlöffel?
- eine Portion?
- oder die vollständige empfohlene Tagesportion?
Dieser Kontext ist entscheidend.
Zutatenliste und quantitative Deklaration beantworten unterschiedliche Fragen
Diese beiden Bereiche eines Etiketts werden leicht miteinander verwechselt.
Die Zutatenliste zeigt, welche Zutaten zur Herstellung des Produkts verwendet wurden.
Die supplement-spezifische quantitative Deklaration zeigt, wie viel der relevanten Nährstoffe oder sonstigen Stoffe die empfohlene tägliche Verzehrsmenge liefert.
Das sind unterschiedliche Fragen.
Nach den allgemeinen EU-Regeln zur Lebensmittelinformation werden Zutaten grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts aufgeführt, wie sie bei der Herstellung eingesetzt wurden, vorbehaltlich bestimmter Ausnahmen.
Das bedeutet nicht automatisch:
Die erste Zutat ist die wichtigste Zutat.
Oder:
Eine weiter hinten aufgeführte Zutat ist unbedeutend.
Gewicht und ernährungsbezogene oder physiologische Bedeutung sind unterschiedliche Konzepte.
Eine relativ kleine Menge eines Vitamins kann beispielsweise einen erheblichen Anteil seines Referenzwerts darstellen.
Eine größere Menge eines anderen Bestandteils kann hauptsächlich Geschmack, Konsistenz, Säure oder die physische Form des Produkts beeinflussen.
Zutatenliste und quantitative Deklaration sollten deshalb gemeinsam gelesen werden.
Was bedeutet % NRV?
NRV steht für Nutrient Reference Value, also Nährstoffbezugswert.
Für Vitamine und Mineralstoffe bieten die EU-Referenzwerte eine standardisierte Möglichkeit, eine deklarierte Menge einzuordnen.
Für Erwachsene gelten beispielsweise:
- 375 mg Magnesium;
- 800 mg Calcium;
- 80 mg Vitamin C;
- und 10 mg Zink.
Liefert die empfohlene tägliche Verzehrsmenge 187,5 mg Magnesium, entspricht das 50% des Magnesium-NRV.
Liefert sie 80 mg Vitamin C, entspricht das 100% NRV.
Der Prozentsatz beantwortet also eine bestimmte Frage:
Wie verhält sich die deklarierte Menge zum EU-Referenzwert für dieses Vitamin oder diesen Mineralstoff?
Es ist ein Referenzsystem.
Keine Qualitätsbewertung.
Was NRV nicht bedeutet
Dieser Unterschied ist wichtig.
100% NRV bedeutet nicht:
„Das ist genau die Menge, die jede einzelne Person persönlich benötigt.“
Der Referenzwert ist keine individuelle Dosierungsempfehlung.
Ebenso bedeutet:
200% NRV nicht automatisch doppelt so gut.
Ein höherer Prozentsatz ist nicht automatisch ein Beweis für eine bessere Rezeptur.
Ein NRV ist auch nicht dasselbe wie eine sichere obere Aufnahmemenge.
Und der Prozentwert allein beweist nicht, dass ein Produkt eine bestimmte physiologische Wirkung erzielt.
NRV sollte daher genau als das gelesen werden, was es ist:
ein Referenzwert, mit dem eine deklarierte Vitamin- oder Mineralstoffmenge eingeordnet wird.
Keine persönliche Dosierung.
Keine Qualitätsnote.
Keine eigenständige Sicherheitsgrenze.
Warum haben manche Stoffe keinen NRV?
Nicht jeder in einem Nahrungsergänzungsmittel verwendete Stoff besitzt einen EU-NRV.
Anhang XIII der Verordnung 1169/2011 enthält Referenzwerte für bestimmte Vitamine und Mineralstoffe.
Andere Stoffe können dennoch in messbaren Mengen deklariert werden, ohne dass daneben ein NRV-Prozentsatz steht.
Wenn auf einem Etikett beispielsweise steht:
500 mg
eines bestimmten Stoffes, ohne Prozentangabe, bedeutet das nicht automatisch, dass die Mengenangabe unbekannt oder unvollständig ist.
Es handelt sich um zwei verschiedene Fragen:
Wie viel liefert die tägliche Verzehrsmenge?
und:
Existiert für diesen Stoff ein anwendbarer EU-NRV?
Das Fehlen eines NRV ist daher nicht mit dem Fehlen einer Mengenangabe gleichzusetzen.
Inhaltsstoffform und Nährstoffmenge sind nicht dieselbe Zahl
Eine weitere häufige Quelle für Verwirrung ist der Unterschied zwischen einem Nährstoff und der Verbindung, die ihn liefert.
In einer Zutatenliste kann zum Beispiel stehen:
Magnesiumbisglycinat
während die quantitative Deklaration angibt:
Magnesium — 100 mg
Diese Angaben hängen zusammen.
Sie stellen jedoch nicht dasselbe Gewicht dar.
Magnesiumbisglycinat bezeichnet die Verbindung, die als Magnesiumquelle verwendet wird.
Die deklarierte Magnesiummenge bezeichnet die tatsächlich gelieferte Menge Magnesium.
Das Gesamtgewicht der Magnesiumverbindung darf deshalb nicht einfach mit der deklarierten Magnesiummenge gleichgesetzt werden.
Dieses Prinzip gilt auch für andere Mineralstoffquellen.
Unterscheide daher:
die als Zutat verwendete Verbindung
von:
der deklarierten Menge des Nährstoffs.
Diesen Unterschied erklären wir ausführlicher in Was ist elementares Magnesium?
Was steht noch in der Zutatenliste?
Ein Nahrungsergänzungsmittel kann deutlich mehr enthalten als die Stoffe, die auf der Vorderseite hervorgehoben werden.
Je nach Rezeptur kann die Zutatenliste zum Beispiel enthalten:
- Aromen;
- Süßungsmittel;
- Farbstoffe;
- Säuren oder Säureregulatoren;
- Kapselmaterial;
- Trennmittel;
- Füllstoffe;
- oder andere technologische Zutaten.
Diese Bestandteile sollten nicht automatisch als diejenigen Nährstoffe oder sonstigen Stoffe verstanden werden, die das Nahrungsergänzungsmittel charakterisieren.
Ein Zusatzstoff kann außerdem mit seiner Funktionsklasse und der spezifischen Bezeichnung oder einer zulässigen E-Nummer angegeben werden.
Die Zutatenliste beantwortet daher die umfassendere Rezepturfrage:
Welche Zutaten wurden verwendet, um das vollständige Produkt herzustellen?
Das unterscheidet sich von der Frage:
Wie viel des relevanten Nährstoffs oder sonstigen Stoffes liefert die empfohlene tägliche Verzehrsmenge?
Achte auf Allergene
Die Zutatenliste enthält auch wichtige Allergeninformationen.
Nach der Verordnung 1169/2011 müssen Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe aus den in Anhang II aufgeführten Stoffen oder Erzeugnissen, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen, gekennzeichnet werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Innerhalb der Zutatenliste muss die betreffende Allergenbezeichnung gegenüber den übrigen Zutaten deutlich hervorgehoben werden.
Das kann beispielsweise erfolgen durch:
Fettdruck
eine andere Schriftart;
oder eine andere klare typografische Hervorhebung.
Prüfe ein Supplement-Etikett daher nicht nur auf Vitamine, Mineralstoffe oder besonders beworbene Inhaltsstoffe.
Wenn Allergene für dich relevant sind, lies die vollständige Zutatenliste.
Lies Anwendungshinweise und Warnhinweise
Ein Nahrungsergänzungsmittel-Etikett informiert nicht nur über die Zusammensetzung.
Es beschreibt auch, wie das Produkt verwendet werden soll.
Die Richtlinie 2002/46/EG verlangt die Angabe der empfohlenen täglichen Verzehrsmenge sowie einen Warnhinweis, diese Menge nicht zu überschreiten.
Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten und außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufzubewahren sind.
Je nach Produkt, Inhaltsstoffen und nationalen Anforderungen können weitere Warnhinweise erforderlich sein.
Diese Angaben sind Teil der Produktinformation.
Sie sind kein unwichtiges Kleingedrucktes.
Mindesthaltbarkeit, LOT und Lagerung sind unterschiedliche Informationsebenen
Diese Angaben können nah beieinander stehen, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Mindesthaltbarkeitsdatum
Das Datum der Mindesthaltbarkeit gibt an, bis wann das Lebensmittel bei ordnungsgemäßer Lagerung seine spezifischen Eigenschaften behält.
Bei einem typischen haltbaren Nahrungsergänzungsmittel wird dies als Mindesthaltbarkeitsdatum beziehungsweise best-before date angegeben.
LOT oder Charge
Ein Los ist eine Gruppe von Verkaufseinheiten, die unter praktisch gleichen Produktions-, Herstellungs- oder Verpackungsbedingungen hergestellt wurde.
Es dient der Identifikation und Rückverfolgbarkeit.
Lagerung
Lagerhinweise beschreiben die Bedingungen, unter denen das Produkt aufzubewahren ist.
Konzeptionell gilt also:
Mindesthaltbarkeit = Haltbarkeit und Datum
LOT/Charge = Produktionsidentifikation und Rückverfolgbarkeit
Lagerung = Bedingungen
Es gibt jedoch eine wichtige Nuance: Eine ausreichend genaue Angabe des Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatums kann unter bestimmten Voraussetzungen gleichzeitig als Loskennzeichnung dienen.
Die Konzepte bleiben also unterschiedlich, auch wenn dieselbe Kennzeichnung unter Umständen mehrere regulatorische Funktionen erfüllen kann.
Wer ist für die Produktinformation verantwortlich?
Nach der Verordnung 1169/2011 ist grundsätzlich der Lebensmittelunternehmer verantwortlich, unter dessen Namen oder Firma das Lebensmittel vermarktet wird.
Ist dieser Unternehmer nicht in der Europäischen Union niedergelassen, übernimmt für die Zwecke der Verordnung der Importeur in die Union diese Rolle.
Das ist ein wichtiger Punkt für Transparenz.
Die Marke auf der Vorderseite, die Fabrik, in der das Supplement tatsächlich hergestellt wird, und der rechtlich verantwortliche Lebensmittelunternehmer müssen nicht dasselbe Unternehmen sein.
Schau deshalb nicht nur auf das Markenlogo, sondern auch auf die Angaben zum verantwortlichen Unternehmer.
Welche weiteren Pflichtangaben sollte man erwarten?
Abhängig von den konkreten Vorschriften und Ausnahmen für das Produkt umfasst der allgemeine EU-Rahmen für Lebensmittelinformation unter anderem Pflichtangaben wie:
- die Bezeichnung des Lebensmittels;
- die Zutatenliste;
- relevante Allergeninformationen;
- die Nettofüllmenge;
- das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum;
- besondere Lager- oder Verwendungsbedingungen, soweit erforderlich;
- Name und Anschrift des verantwortlichen Lebensmittelunternehmers;
- Herkunftsangaben, wenn diese gesetzlich vorgeschrieben sind;
- und eine Gebrauchsanweisung, wenn das Lebensmittel ohne sie nur schwer sachgerecht verwendet werden könnte.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln kommen die zusätzlichen spezifischen Anforderungen der Richtlinie 2002/46/EG hinzu.
Ein Supplement-Etikett besteht daher aus mehreren Informationsebenen, die gemeinsam gelesen werden sollten.
Pflichtinformationen und Marketingclaims sind nicht dasselbe
Dies ist einer der hilfreichsten Unterschiede beim Lesen einer Supplement-Verpackung.
Bestimmte Angaben sind vorhanden, weil die Kennzeichnungsvorschriften sachliche Produktinformationen verlangen.
Claims bilden eine andere Kategorie.
Im EU-Recht ist ein Claim im Kern eine nicht verpflichtende Aussage oder Darstellung, die erklärt, suggeriert oder impliziert, dass ein Lebensmittel besondere Eigenschaften besitzt.
Eine Verpackung kann beispielsweise das Wort:
MAGNESIUM
sehr groß auf der Vorderseite zeigen.
Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die Positionierung des Produkts.
Es sagt jedoch allein noch nicht:
- wie viel Magnesium die empfohlene tägliche Verzehrsmenge liefert;
- welche Magnesiumquelle verwendet wird;
- welchem NRV-Prozentsatz dies entspricht;
- oder welche nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben tatsächlich zulässig sind.
Dafür musst du das restliche Etikett lesen.
Auch Begriffe wie:
premium
advanced
tested
oder:
high strength
müssen im jeweiligen Kontext beurteilt werden.
Je nach Verwendung können unterschiedliche Regelungen zur Lebensmittelinformation oder zu Claims relevant sein.
Die Vorderseite der Verpackung ist also ein Einstieg.
Kein Ersatz für das vollständige Etikett.
Was ist mit „lab tested“ oder anderen Qualitätsaussagen?
Auch Qualitätssprache sollte sorgfältig gelesen werden.
Wenn auf einem Etikett oder einer Produktseite steht:
lab tested
independently tested
certified
oder auf Laborunterlagen verwiesen wird, sollte diese Information getrennt von Zutaten- und Dosierungsangaben bewertet werden.
Diese Begriffe werfen andere Fragen auf.
Was wurde getestet?
Welche Probe?
Welches Labor?
Welche Dokumentation unterstützt die Aussage?
Handelt es sich um einen Laborbericht, ein Lieferanten-COA oder eine Zertifizierung?
Deshalb behandelt Formula & Quality diese Themen in eigenen Artikeln.
Für mehr Hintergrund:
Was bedeutet „unabhängig getestet“ bei einem Nahrungsergänzungsmittel?
und:
COA vs. Laborbericht vs. Zertifizierung: Was ist der Unterschied?
Das Etikett beschreibt das Produkt.
Qualitätsdokumentation liefert Nachweise für bestimmte Qualitätsaussagen.
Diese Ebenen können einander unterstützen, sind aber nicht austauschbar.
Wie sollte man nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben lesen?
Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel sind in der EU reguliert.
Dass ein Nährstoff im Produkt vorhanden ist bedeutet nicht automatisch, dass jede mit diesem Nährstoff verbundene Aussage verwendet werden darf.
Die jeweiligen Verwendungsbedingungen müssen erfüllt sein.
Eine hohe deklarierte Menge erlaubt es einem Unternehmen auch nicht, selbst eine neue physiologische Wirkung zu erfinden.
Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es außerdem eine klare Grenze: Kennzeichnung, Aufmachung und Werbung dürfen dem Produkt keine Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung menschlicher Krankheiten zuschreiben oder auf solche Eigenschaften verweisen.
Eine sinnvolle Leseregel lautet deshalb:
Identifiziere den Claim, identifiziere den zugrunde liegenden Nährstoff oder Stoff und trenne die Aussage von der reinen Mengenangabe.
Was gilt beim Onlinekauf eines Nahrungsergänzungsmittels?
Dieselben Informationsprinzipien gelten, bevor du die physische Verpackung erhältst.
Bei vorverpackten Lebensmitteln, die im Fernabsatz angeboten werden, müssen die verpflichtenden Lebensmittelinformationen grundsätzlich vor Abschluss des Kaufs verfügbar sein.
Eine Ausnahme bildet das Mindesthaltbarkeits- beziehungsweise Verbrauchsdatum.
Zum Zeitpunkt der Lieferung müssen alle verpflichtenden Angaben verfügbar sein.
Eine Online-Produktseite für ein Nahrungsergänzungsmittel sollte deshalb nicht nur anhand folgender Elemente beurteilt werden:
- Hero-Bild;
- Produktname;
- einige Front-of-Pack-Aussagen;
- und Kaufbutton.
Auch die Informationen, die notwendig sind, um das Produkt zu verstehen, sollten vor dem Kauf zugänglich sein.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln gehören dazu die anwendbaren Pflichtinformationen sowie die supplement-spezifischen Angaben zur empfohlenen täglichen Verzehrsmenge und quantitativen Zusammensetzung.
Ein praktischer Sieben-Schritte-Check für Supplement-Etiketten
- Identifiziere das Produkt. Wie wird es rechtlich bezeichnet und in welcher Form wird es angeboten?
- Finde die empfohlene tägliche Verzehrsmenge. Wie viel soll tatsächlich pro Tag eingenommen werden?
- Lies die Zutatenliste. Welche Zutaten wurden verwendet und sind relevante Allergene enthalten?
- Finde die quantitative Deklaration. Wie viel der relevanten Nährstoffe oder sonstigen Stoffe liefert die empfohlene Tagesportion?
- Interpretiere NRV richtig. Welche Vitamine und Mineralstoffe haben einen NRV-Prozentsatz und was bedeutet dieser Referenzwert tatsächlich?
- Prüfe praktische Informationen. Lies Warnhinweise, Anwendung, Lagerbedingungen, Datumsangaben, Angaben zum verantwortlichen Unternehmer sowie Los- oder Chargeninformationen, soweit relevant.
- Trenne Information von Claims. Welche Aussagen sind sachliche Produktinformationen und welche sind nährwert-, gesundheits-, qualitäts- oder marketingbezogene Claims, die separat bewertet werden müssen?
Wer diese sieben Fragen beantworten kann, versteht ein Nahrungsergänzungsmittel deutlich besser als jemand, der nur die Vorderseite der Verpackung liest.
Beurteile ein Nahrungsergänzungsmittel nicht anhand einer einzigen beeindruckenden Zahl
Ein Supplement-Etikett lässt sich selten sinnvoll auf eine einzige Zahl reduzieren.
Nicht:
500 mg.
Nicht:
200% NRV.
Nicht:
zwei Kapseln.
Und auch nicht:
ein Premium-Inhaltsstoff.
Jede Zahl gehört in einen größeren Informationszusammenhang.
Du musst wissen:
- welcher Stoff gemeint ist;
- welche Form verwendet wird;
- wie viel die empfohlene tägliche Verzehrsmenge liefert;
- ob ein NRV anwendbar ist;
- was sonst noch in der Rezeptur enthalten ist;
- wie das Produkt verwendet werden soll;
- und was die Marke tatsächlich behauptet.
Das ist der Unterschied zwischen ein Etikett sehen und ein Etikett verstehen.
Verstehe die Dosierung. Verstehe die Rezeptur. Beurteile dann den Claim.
