Was bedeutet „unabhängig getestet“ bei einem Nahrungsergänzungsmittel?
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„Unabhängig getestet“ klingt vertrauenerweckend.
Doch die Formulierung allein lässt mehrere wichtige Fragen offen.
Wer hat den Test durchgeführt?
Was wurde genau untersucht?
Welche Probe wurde analysiert?
Welche Methode wurde verwendet?
Und wie weit lässt sich das Ergebnis vernünftigerweise übertragen?
Diese Unterschiede sind wichtig, denn Laboranalytik ist kein einfaches Ja-oder-Nein-Siegel.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist nicht automatisch „vollständig getestet“, nur weil eine einzelne Laboranalyse existiert.
Sinnvoller ist die Frage, welche Aussagekraft ein bestimmter Test tatsächlich besitzt.
Was bedeutet „unabhängig getestet“?
In der üblichen Kommunikation über Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet unabhängige Prüfung meist analytische Untersuchungen durch ein Labor außerhalb des Unternehmens, das das Produkt herstellt oder verkauft.
Diese Trennung kann sinnvoll sein, weil das Analyseergebnis von einer anderen Organisation erstellt wird und nicht ausschließlich auf einer internen Aussage der Marke beruht.
Doch der Begriff unabhängig getestet sagt nichts über den vollständigen Umfang der Untersuchung aus.
Allein daraus geht nicht hervor, was untersucht wurde, welche analytische Methode verwendet wurde, wie viele Parameter geprüft wurden, welche Probe eingesendet wurde, ob die relevante Untersuchung akkreditiert war oder ob einmalig, regelmäßig oder bei jeder Charge getestet wird.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht nur:
Wurde dieses Nahrungsergänzungsmittel unabhängig getestet?
Sondern:
Was wurde an welcher Probe von welchem Labor getestet und was zeigt der Bericht tatsächlich?
Ein unabhängiges Labor und ein akkreditiertes Labor sind nicht dasselbe
Diese Begriffe beantworten unterschiedliche Fragen.
Ein unabhängiges Labor beschreibt die Beziehung zwischen dem Labor und dem Unternehmen, dessen Produkt untersucht wird.
Eine Laborakkreditierung betrifft die nachgewiesene Kompetenz für definierte Prüf- oder Kalibriertätigkeiten.
ISO/IEC 17025 ist die internationale Norm für Prüf- und Kalibrierlaboratorien. Sie enthält Anforderungen an Kompetenz, Unparteilichkeit und den konsistenten Betrieb von Laboratorien.
Das bedeutet nicht, dass jede denkbare Untersuchung eines Labors automatisch gleich eingeordnet werden sollte.
Analysen werden nach bestimmten Verfahren und Methoden durchgeführt, und die Kompetenz eines Labors muss im Zusammenhang mit der jeweiligen Untersuchung betrachtet werden.
Daher ist die Frage:
Welche Analyse wurde durchgeführt und welche Akkreditierungsinformationen gelten für diese Untersuchung?
aussagekräftiger als lediglich:
Hat das Labor ein Akkreditierungslogo?
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist nicht einfach „getestet“ oder „nicht getestet“
Stellen wir uns vor, ein Pulver wurde auf Blei untersucht.
Das sagt etwas über Blei in der untersuchten Probe aus.
Es sagt jedoch nicht automatisch etwas über Salmonellen, den Magnesiumgehalt, Pestizidrückstände, die botanische Identität oder andere mögliche Parameter aus.
Jede Analyse beantwortet eine bestimmte Frage.
Das ist eines der wichtigsten Prinzipien beim Lesen von Qualitätsangaben zu Nahrungsergänzungsmitteln:
„Getestet“ wird erst aussagekräftig, wenn bekannt ist, worauf getestet wurde.
Ein Laborbericht kann nur einen einzigen analytischen Parameter enthalten.
Ein anderer kann mehrere mikrobiologische, chemische und zusammensetzungsbezogene Analysen umfassen.
Beides sind Laboruntersuchungen.
Sie liefern jedoch nicht dieselbe Menge oder Art an Informationen.
Worauf kann ein Nahrungsergänzungsmittel untersucht werden?
Welche Analysen sinnvoll sind, hängt vom Produkt, seinen Zutaten, der Produktspezifikation, dem Herstellungsprozess und den zu beurteilenden Eigenschaften oder Risiken ab.
Laboruntersuchungen können beispielsweise Mikrobiologie, Kontaminanten, den Gehalt an Nährstoffen oder aktiven Bestandteilen, Identität, Reinheit, Feuchtigkeit oder andere Produktspezifikationen betreffen.
Diese Kategorien beantworten unterschiedliche Fragen.
Eine mikrobiologische Analyse kann bestimmte Mikroorganismen oder Keimzahlen untersuchen.
Eine Kontaminantenanalyse kann Stoffe wie Blei, Cadmium, Quecksilber oder Arsen messen.
Eine Zusammensetzungsanalyse kann die Menge eines Mineralstoffs, Vitamins oder einer anderen Komponente bestimmen.
Eine physikalische oder chemische Analyse kann beispielsweise den Feuchtigkeitsgehalt erfassen.
Dass eine Art von Untersuchung durchgeführt wurde, bedeutet nicht, dass automatisch auch alle anderen Kategorien geprüft wurden.
Transparente Kommunikation nennt deshalb die tatsächlich durchgeführten Analysen, anstatt sich nur auf die Formulierung lab tested zu verlassen.
Die Probe ist entscheidend
Ein Labor analysiert eine Probe.
Das klingt selbstverständlich, ist aber grundlegend für das Verständnis eines Prüfberichts.
Das Ergebnis muss deshalb zusammen mit Probenidentifikation, Produktidentifikation, Daten und weiteren Angaben im Dokument gelesen werden.
Der Eurofins-Bericht für Primal Wolf Electrolyte Powder identifiziert beispielsweise die untersuchte Primal-Wolf-Electrolyte-Powder-Probe zusammen mit Kundenreferenz und Angaben zur Probenahme.
Der Bericht weist außerdem ausdrücklich darauf hin, dass sich die Analyseergebnisse auf die Probe beziehen, wie sie beim Labor eingegangen ist.
Das ist keine Besonderheit dieses Berichts.
Es zeigt ein wichtiges Grundprinzip:
Ein Prüfergebnis ist ein Nachweis über das Material, das tatsächlich analysiert wurde.
Wie weit sich dieses Ergebnis über die untersuchte Probe hinaus übertragen lässt, hängt von Probenahme, Rückverfolgbarkeit und dem umgebenden Qualitätssystem ab.
Probe, Charge und Produkt sind unterschiedliche Ebenen des Nachweises
Eine Probe kann einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Produktionscharge zugeordnet sein.
Diese Verbindung muss jedoch dokumentiert und darf nicht einfach angenommen werden.
Das Ergebnis einer einzelnen eingesandten Probe sollte deshalb nicht automatisch in eine breitere Aussage umgewandelt werden wie:
Jede Charge wird unabhängig getestet.
Das ist eine eigenständige Aussage.
Wenn eine Marke sagt, dass jede Charge getestet wird, sollte ein Prüfverfahren und eine Dokumentation vorhanden sein, die diese Aussage für jede relevante Charge stützen.
Ebenso belegt ein einzelner historischer Bericht nicht automatisch, was mit jeder zukünftigen Charge geschehen wird.
Gute Transparenz hält diese unterschiedlichen Beweisebenen auseinander.
Was untersucht das Labor tatsächlich?
Ein guter Bericht ermöglicht es, über die allgemeine Marketingformulierung hinauszugehen.
Der Bericht für Primal Wolf Electrolyte Powder enthält beispielsweise mikrobiologische Untersuchungen auf E. coli, Salmonellen sowie Hefen und Schimmelpilze und zusätzlich Analysen, bei denen unter anderem Magnesium und verschiedene Metalle untersucht wurden.
Der Bericht enthält außerdem Ergebnisse für Natrium und weitere Metalle.
Das sagt deutlich mehr aus als die allgemeine Formulierung third-party tested.
Man erkennt, welche Parameter tatsächlich Bestandteil des Berichts sind.
Ebenso wichtig ist, was man nicht annehmen sollte.
Wenn ein Nährstoff, die Identität eines Inhaltsstoffs oder ein bestimmter Kontaminant nicht unter den durchgeführten Analysen aufgeführt ist, sollte dieser konkrete Bericht nicht als Nachweis dafür dargestellt werden, dass dies dort geprüft wurde.
Was sagt ISO/IEC 17025 aus?
ISO/IEC 17025 enthält international anerkannte Anforderungen an Kompetenz, Unparteilichkeit und den konsistenten Betrieb von Prüf- und Kalibrierlaboratorien.
Beim Sprachgebrauch ist jedoch Präzision wichtig.
Ein Labor, das unter einer ISO/IEC-17025-Akkreditierung arbeitet, sollte nicht beiläufig als „ISO-zertifiziertes Labor“ bezeichnet werden.
Zertifizierung und Akkreditierung sind unterschiedliche Formen der Konformitätsbewertung.
Auch innerhalb eines Laborberichts kann der Status einzelner Analysen relevant sein.
Der Bericht für Primal Wolf Electrolyte Powder zeigt dies konkret. Eurofins erläutert, dass bestimmte mit (Q) oder (Q#) gekennzeichnete Prüfungen unter ISO/IEC-17025-Akkreditierung durchgeführt wurden, während andere Arbeiten im selben Bericht anders gekennzeichnet sind.
Ein Hinweis auf Akkreditierung ist also eine nützliche Information.
Die beste Interpretation ergibt sich jedoch daraus, wie der Bericht diese Information auf die tatsächlich durchgeführten Analysen anwendet.
Ist eine Laborprüfung dasselbe wie eine Zertifizierung?
Nein.
Prüfung und Zertifizierung sind unterschiedliche Formen der Konformitätsbewertung.
Beim Testing werden eine oder mehrere Eigenschaften nach einem bestimmten Verfahren ermittelt. Eine Zertifizierung ist dagegen ein separates Verfahren, bei dem eine unabhängige Stelle schriftlich bestätigt, dass das betreffende Produkt, die Dienstleistung oder das System bestimmte Anforderungen erfüllt.
Ein Laborbericht sollte deshalb nicht automatisch als Produktzertifizierung bezeichnet werden.
Ein Certificate of Analysis, ein Laborbericht und ein Zertifizierungsdokument können außerdem unterschiedliche Ursprünge und Zwecke haben.
Dieser Unterschied verdient mehr als einen kurzen Absatz.
Deshalb behandeln wir ihn separat in:
COA vs. Laborbericht vs. Zertifizierung: Was ist der Unterschied?
Beweist unabhängige Prüfung, dass ein Nahrungsergänzungsmittel sicher ist?
Nicht in einem unbegrenzten Sinn.
Ein konkretes Laborergebnis kann Nachweise zu den spezifischen Parametern liefern, die in der untersuchten Probe analysiert wurden.
Wenn eine Probe beispielsweise auf ausgewählte Schwermetalle untersucht wurde, liefern die Ergebnisse Informationen über diese ausgewählten Metalle innerhalb des Umfangs und der Grenzen der Analyse.
Sie beweisen nicht, dass jede denkbare chemische, mikrobiologische, herstellungsbezogene, kennzeichnungsbezogene oder regulatorische Frage untersucht wurde.
Eine Aussage wie:
„Lab tested, daher vollständig sicher.“
geht deshalb zu weit.
Nach der europäischen General Food Law bleiben Lebensmittelunternehmer dafür verantwortlich, dass Lebensmittel in ihrem Verantwortungsbereich die für ihre Tätigkeiten geltenden Anforderungen des Lebensmittelrechts erfüllen und dass diese Einhaltung kontrolliert wird.
Externe Laboruntersuchungen können diese Verantwortung unterstützen; sie ersetzen sie nicht.
Laboranalytik ist ein Nachweis innerhalb eines umfassenderen Qualitätssystems.
Sie ist nicht das gesamte Qualitätssystem.
Worauf sollte man in einem Laborbericht achten?
- Produkt- oder Probenidentifikation: Auf welches Material bezieht sich der Bericht tatsächlich?
- Chargen- oder Losinformationen, sofern vorhanden: Lässt sich die Probe eindeutig einer bestimmten Produktionscharge zuordnen?
- Daten: Wann wurde die Probe erhalten, untersucht und der Bericht erstellt?
- Parameter: Was wurde tatsächlich untersucht?
- Ergebnisse und Einheiten: Was bedeuten die berichteten Zahlen oder Formulierungen wie „nicht nachgewiesen“?
- Analysemethoden: Welche Methode wurde für die jeweilige Analyse verwendet?
- Laboridentität: Wer hat die analytische Arbeit durchgeführt?
- Akkreditierungsinformationen: Was sagt der Bericht über den Status der jeweiligen Prüfungen?
- Grenzwerte oder Spezifikationen: Unterscheide zwischen dem tatsächlich gemessenen Wert und einer separaten Spezifikation, Referenz- oder Kennzeichnungsangabe.
- Hinweise und Einschränkungen: Lies auch den erläuternden Text, nicht nur die Ergebnistabelle.
Man muss kein Laborexperte sein, um diese Fragen zu stellen.
Sie helfen lediglich dabei, zu verstehen, welchen Nachweis das Dokument tatsächlich enthält.
Was beweist „unabhängig getestet“ nicht automatisch?
Die Formulierung beweist nicht, dass jede Charge getestet wurde.
Sie beweist nicht, dass jeder Inhaltsstoff separat auf Identität geprüft wurde.
Sie zeigt nicht, dass jeder denkbare Kontaminant untersucht wurde.
Sie belegt nicht, dass jeder Wert auf dem Verbraucheretikett analytisch bestätigt wurde.
Sie bedeutet nicht, dass jede Analysemethode denselben Akkreditierungsstatus besitzt.
Und sie garantiert nicht, dass jede zukünftige Produktion exakt dasselbe Ergebnis liefern wird.
Solche Schlussfolgerungen benötigen jeweils eigene Nachweise.
Das ist der Unterschied zwischen evidenzbasierter Transparenz und einer Qualitätsformulierung, die nur dekorativ verwendet wird.
Wie Primal Wolf Labortransparenz versteht
Im internen Brand DNA von Primal Wolf steht ein einfaches Prinzip:
Transparency over hype.
Der festgelegte Ansatz ist, zu erklären, was tatsächlich belegt ist, und vage Überlegenheitsbehauptungen oder nicht nachweisbare Aussagen zu vermeiden.
Dieses Prinzip ist gerade bei Laboranalytik wichtig.
Der Eurofins-Bericht für Electrolyte Powder zeigt mehr als nur den Namen eines Labors.
Er identifiziert die Probe, Analysen, Ergebnisse, Methoden und Akkreditierungskennzeichnungen und erklärt, dass sich die Analyseergebnisse auf die eingegangene Probe beziehen.
Die sinnvolle Aussage lautet deshalb nicht:
„Ein Labor hat es getestet, also vertraue allem.“
Sondern:
Das wurde getestet. Auf diese Probe bezieht sich der Bericht. Das sind die Ergebnisse. Und das ist, was das Dokument belegt — und was nicht.
Transparenz ist nützlicher als ein Siegel
„Unabhängig getestet“ kann eine wertvolle Information sein.
Aber der Wert entsteht durch den Nachweis hinter dieser Aussage.
Wer hat die Analyse durchgeführt?
Was wurde gemessen?
Welche Probe wurde untersucht?
Welche Methoden wurden eingesetzt?
Welche Akkreditierungsinformationen gelten?
Und wie weit lässt sich das Ergebnis vernünftigerweise interpretieren?
Diese Fragen schwächen eine Qualitätsgeschichte nicht.
Sie machen sie glaubwürdiger.
Denn Transparenz bedeutet nicht, die größtmögliche Aussage zu machen.
Sie bedeutet, die präziseste Aussage zu treffen, die durch die vorhandenen Nachweise gestützt wird.
Verstehe den Nachweis. Verstehe den Umfang. Beurteile dann die Aussage.
